Schlagwort-Archive: Gaarden

Wer braucht Ateliers?

Wer braucht Ateliers?

Kunst braucht Räume. Und die werden in Kiel knapp. Bezahlbare Ateliers sind im ganzen Stadtgebiet heiß begehrt, zumal an diversen Stellen Subventionen auslaufen beziehungsweise drastisch zurückgefahren werden. Nun rückt wieder Gaarden in den Mittelpunkt. Wie der Kultur- und Kreativrat schon immer betont, stellt dieser Stadtteil von seiner ganzen Struktur her ohnehin das vielleicht wichtigste Biotop für Kunstschaffende in ganz Kiel dar.

Es braucht keine geleckte Umgebung und auch kein Umfeld, in dem alle so ticken wie man es selbst tut. Gern darf es dagegen ein bisschen provisorisch, ein bisschen rustikal und jedenfalls finanzierbar sein. Gaarden bietet genau das und dazu ein Klima der Vielfalt, der Widersprüche, der Reibung, also ein Milieu, das der Humus jeder Kreativität ist.

Überdeckelt werden diese Vorzüge jedoch immer wieder durch Sonderprogramme, die für Ateliers auf dem Westufer üppige Zuwendungen bereithalten. Jetzt, wo dieser Geldsegen nachlässt, ändert sich die Betrachtungsweise wieder. Gaarden wird interessant – mithin bereits so interessant, dass zumindest die bekannten Zentren in der Werftbahnstraße 8 und ebenso in der Kaiserstraße 4 mangels freier Kapazitäten immer wieder Interessenten abweisen müssen. Nicht eben einfacher wird die Lage angesichts einer enormen Konkurrenz um Flächen. Kindergärten, Schulen, Wohnungen, Gewerberäume, alles ist knapp – und alles balgt sich um die wenigen Räume, in denen überhaupt noch etwas gehen könnte.

Allerhand geht derzeit wegen erklecklicher Steuereinnahmen bei der Stadt Kiel. Davon soll in Gaarden auch die Kultur- und Kreativwirtschaft profitieren. Gleich zwei gut gefüllte Töpfe stehen in diesem Bereich für 2019 bereit. Der Kultur- und Kreativrat plädiert dafür, diese Mittel nachhaltig einzusetzen statt kurzfristige Strohfeuer zu entfachen. Denkbar wäre es zum Beispiel, ein Gebäude für Ateliers umzugestalten. Und das mit einem Finanzierungskonzept, das den darin arbeitenden Kreativen eine dauerhafte Perspektive gibt. Verschiedene Ideen und Modelle müssten dazu in einem Projekt verschmelzen, doch jenseits der Realität wäre das nicht.

Voraussetzung ist aber erst einmal eine Bedarfsermittlung. Wer braucht für welchen Zweck wieviel Platz? Kommt neben Einzelnutzung auch eine gemeinschaftliche Nutzung in Frage? Das wollen wir gern wissen von den Kreativen, die schon in Gaarden sind oder sich dort niederlassen wollen.

Meldet Euch unter info@kulturratgaarden.de!

Facebooktwittergoogle_plusmail

Struktur und Einfachheit

Uwe Lorenz und Kurt Niemann stellen in der Galerie K34 aus

Uwe Lorenz ist 66 Jahre alt, Kurt Niemann sogar 78, und beide betrachten sich eigentlich nicht als Künstler. Das allerdings dürfte falsche Bescheidenheit sein, denn das Duo zeigt in seiner am Sonnabend eröffnenden Ausstellung in der Galerie K34 Arbeiten von bemerkenswerter Qualität und Ästhetik.

Uwe Lorenz ist Musikfan und fotografiert eindrucksvolle Konzertbilder.

Uwe Lorenz ist Musikfan und fotografiert eindrucksvolle Konzertbilder.

Vor mehr als 50 Jahren bekam Uwe Lorenz seine erste Kamera geschenkt. Eine kompakte Agfa für 50 Mark. Was ihn nicht daran hinderte, sich mit wachsender Leidenschaft der Fotografie zu widmen. Heute kommt die Technik aufwendiger daher, die Philosophie der Einfachheit pflegt der Kieler aber nach wie vor. Grundsätzlich ohne Blitz und fast immer ohne Nachbearbeitung fängt der gelernte Schriftsetzer seine Motive ein, sein wichtigstes Werkzeug ist mithin das Auge.

„Die Sicht auf die realen Dinge hat sich durch die Fotografie schon verändert“, sagt Lorenz, der in der K34 eine Reihe wunderbarer Konzertbilder zeigt, aber auch Reisefotografien und eine an Schönheit kaum zu überbietende Aufnahme der „Queen Elisabeth“, morgens um 3 Uhr eingefangen vom Bülker Leuchtturm aus.

Kurt Niemann zeigt im Hinterhaus de Galerie Holzskulpturen, Bilder und Videos.

Kurt Niemann zeigt im Hinterhaus de Galerie Holzskulpturen, Bilder und Videos.

Kurt Niemann lebt derweil seine Kreativität auf vielerlei Weise aus. Meditative Kraft entfalten seine Fotos und Videos von Wasser, das sich mit Farbstoffen oder auch ganz normaler Milch mischt. Je nach Drehung und Impuls entstehen immer wieder neue Formationen, die letztlich doch nach einer Struktur streben. „Das ist das Faszinierende daran“, meint der Maschinenbautechniker, der mit Kettensäge und Schleifmaschine in seinem Garten auch Holzskulpturen fertigt.

Immer wieder verfremdet er dabei die Figuren mit Farbe und geometrischen Elementen, weil sie ihm sonst einfach zu glatt und harmonisch erscheinen würden. „Ich muss abstrahieren können“, sagt der Mann, der wie gesagt eigentlich gar kein Künstler sein will.

Die Ausstellung „Bestimmtes Unbestimmt“ in der Galerie K34, Medusastraße 14, wird am Sonnabend, 3. März, um 19 Uhr mit Live-Blues eröffnet. Danach ist sie bis zum 5. April mittwochs von 15.30 bis 17.30 Uhr und donnerstags von 20 bis 0 Uhr zu sehen.
Text und Fotos: Martin Geist

Facebooktwittergoogle_plusmail

Zum Abschluss eine kulturelle Fusion

  • Was hat es mit der „Türkenkunst“ auf sich?
  • Müssen Kabarettisten mit fremdländischer Herkunft immer Witze über eben ihre Herkunft machen?
  • Wie prägen die zugewanderten Gaardener die Kultur im Stadtteil?
  • Und inwiefern ist das Judentum ein herausragendes Beispiel fürs Wandern als Klammer der Menschheitsgeschichte?

Mit solchen Fragen hat sich der Kultur- und Kreativrat Gaarden dieses Jahr in einer mehrteiligen Veranstaltungsreihe zur migrantischen Kultur beschäftigt.

Auch das Abschlussfest am Freitag, 3. November, im Medusa (Medusastraße 16) bleibt am Thema dran und steht unter dem Motto „Gaarden Fusion“.

Die Idee: Verschiedene Musiker aus verschiedenen Kulturen verbinden sich zu einem Konzert ohne Vorgeschichte, hören aufeinander, lassen sich aufeinander ein und schaffen Neues.

Der Eintritt ist frei.

Text: Martin Geist
Flyerdesign: Gela Schmidt

Facebooktwittergoogle_plusmail