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Muthesius-Studentinen legten im Februar auf dem Alfons-Jonas-Platz Teppiche auf Parkplätzen aus. Auch so kann Cultural Planning aussehen.

Bewerbungen für Pilotprojekt zum Cultural Planning sind noch bis zum 21. Juli möglich

Kreative Köpfe für Gaarden gesucht

Bewerbungen für Pilotprojekt zum Cultural Planning sind noch bis zum 21. Juli möglich

Gaarden. Die eigene Kreativität in den Dienst des Mitmachens zu stellen. Darum geht es beim Cultural Planning, das auf künstlerischen Pfaden eine breitere Partizipation erreichen will. Für ein Pilotprojekt in Gaarden werden noch Kreative gesucht.

Wenn ein Platz oder eine Straße neu gestaltet werden soll oder wenn es um den Bau von Radwegen geht, bietet sich nach Erfahrung von Lea Lükemeier aus dem Büro Soziale Stadt meist dasselbe Bild: „Es kommen die, die immer da sind.“ Wer aber nicht fit in der deutschen Sprache ist, sich wenig für die Ortspolitik interessiert oder sozial eher am Rand steht, bleibt in Sachen Mitsprache außen vor.

Anders werden könnte das mithilfe von künstlerischen Interventionen, wie sie Studentinnen der Muthesius-Kunsthochschule im vergangenen Februar auf dem Alfons-Jonas-Platz in Gaarden erprobten. Immer wenn auf dem vielgenutzten Parkplatz eine Lücke frei wurde, legten sie darauf einen Teppich aus. Und kamen mit motorisierten ebenso wie mit nichtmotorisierten Gaardenern darüber ins Gespräch, wie es eigentlich mit der Nutzung des öffentlichen Raums aussieht und ob Autos wirklich überall herumstehen sollen.

Nach diesem Muster sollen Kreative jetzt im Stadtteil Prozesse in Gang bringen. Das kann mit Musik, Malerei, Bildhauerei, mit Raumstrategien und auf vielerlei andere Weise geschehen, erläutert Lea Lükemeier. Auch das Thema ist völlig frei, sollte aber natürlich etwas mit den Bedürfnissen im Stadtteil zu tun haben. Weniger Müll, mehr Platz für die Kulturwirtschaft, vielleicht auch eine bessere Nahversorgung in bestimmten Bereichen, das könnte beispielsweise zur Sprache kommen.

Vom Mapping, dem Sammeln von Eindrücken, über die Entwicklung von Visionen und dann eines konkreten Projekts sowie schließlich bis zu dessen Realisierung ist das Verfahren in vier Phasen eingeteilt. Knapp 10000 Euro für Honorar- und Materialkosten stehen für jede Phase bereit, verteilt wird dieses Geld voraussichtlich auf zwei bis drei Projekte.

„Wir wollen noch diesen Sommer anfangen“, kündigt Lea Lükemeier an. Bewerben können sich Kreative noch bis zum 21. Juli. Sie sollten dazu grobe Ideen einreichen, aber auch eine Kostenschätzung. Bis zum 11. August sollen dann die zwei Teilprojekte ausgewählt werden, zwischen September 2019 und Herbst 2020 könnte es danach in die Realisierung gehen.

Weitere Auskünfte und die komplette Ausschreibung bei Lea Lükemeier, Telefon 97 99 53 43 oder unter kieler-ostufer.de
Von Martin Geist

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Wer braucht Ateliers?

Wer braucht Ateliers?

Kunst braucht Räume. Und die werden in Kiel knapp. Bezahlbare Ateliers sind im ganzen Stadtgebiet heiß begehrt, zumal an diversen Stellen Subventionen auslaufen beziehungsweise drastisch zurückgefahren werden. Nun rückt wieder Gaarden in den Mittelpunkt. Wie der Kultur- und Kreativrat schon immer betont, stellt dieser Stadtteil von seiner ganzen Struktur her ohnehin das vielleicht wichtigste Biotop für Kunstschaffende in ganz Kiel dar.

Es braucht keine geleckte Umgebung und auch kein Umfeld, in dem alle so ticken wie man es selbst tut. Gern darf es dagegen ein bisschen provisorisch, ein bisschen rustikal und jedenfalls finanzierbar sein. Gaarden bietet genau das und dazu ein Klima der Vielfalt, der Widersprüche, der Reibung, also ein Milieu, das der Humus jeder Kreativität ist.

Überdeckelt werden diese Vorzüge jedoch immer wieder durch Sonderprogramme, die für Ateliers auf dem Westufer üppige Zuwendungen bereithalten. Jetzt, wo dieser Geldsegen nachlässt, ändert sich die Betrachtungsweise wieder. Gaarden wird interessant – mithin bereits so interessant, dass zumindest die bekannten Zentren in der Werftbahnstraße 8 und ebenso in der Kaiserstraße 4 mangels freier Kapazitäten immer wieder Interessenten abweisen müssen. Nicht eben einfacher wird die Lage angesichts einer enormen Konkurrenz um Flächen. Kindergärten, Schulen, Wohnungen, Gewerberäume, alles ist knapp – und alles balgt sich um die wenigen Räume, in denen überhaupt noch etwas gehen könnte.

Allerhand geht derzeit wegen erklecklicher Steuereinnahmen bei der Stadt Kiel. Davon soll in Gaarden auch die Kultur- und Kreativwirtschaft profitieren. Gleich zwei gut gefüllte Töpfe stehen in diesem Bereich für 2019 bereit. Der Kultur- und Kreativrat plädiert dafür, diese Mittel nachhaltig einzusetzen statt kurzfristige Strohfeuer zu entfachen. Denkbar wäre es zum Beispiel, ein Gebäude für Ateliers umzugestalten. Und das mit einem Finanzierungskonzept, das den darin arbeitenden Kreativen eine dauerhafte Perspektive gibt. Verschiedene Ideen und Modelle müssten dazu in einem Projekt verschmelzen, doch jenseits der Realität wäre das nicht.

Voraussetzung ist aber erst einmal eine Bedarfsermittlung. Wer braucht für welchen Zweck wieviel Platz? Kommt neben Einzelnutzung auch eine gemeinschaftliche Nutzung in Frage? Das wollen wir gern wissen von den Kreativen, die schon in Gaarden sind oder sich dort niederlassen wollen.

Meldet Euch unter info@kulturratgaarden.de!

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Struktur und Einfachheit

Uwe Lorenz und Kurt Niemann stellen in der Galerie K34 aus

Uwe Lorenz ist 66 Jahre alt, Kurt Niemann sogar 78, und beide betrachten sich eigentlich nicht als Künstler. Das allerdings dürfte falsche Bescheidenheit sein, denn das Duo zeigt in seiner am Sonnabend eröffnenden Ausstellung in der Galerie K34 Arbeiten von bemerkenswerter Qualität und Ästhetik.

Uwe Lorenz ist Musikfan und fotografiert eindrucksvolle Konzertbilder.

Uwe Lorenz ist Musikfan und fotografiert eindrucksvolle Konzertbilder.

Vor mehr als 50 Jahren bekam Uwe Lorenz seine erste Kamera geschenkt. Eine kompakte Agfa für 50 Mark. Was ihn nicht daran hinderte, sich mit wachsender Leidenschaft der Fotografie zu widmen. Heute kommt die Technik aufwendiger daher, die Philosophie der Einfachheit pflegt der Kieler aber nach wie vor. Grundsätzlich ohne Blitz und fast immer ohne Nachbearbeitung fängt der gelernte Schriftsetzer seine Motive ein, sein wichtigstes Werkzeug ist mithin das Auge.

„Die Sicht auf die realen Dinge hat sich durch die Fotografie schon verändert“, sagt Lorenz, der in der K34 eine Reihe wunderbarer Konzertbilder zeigt, aber auch Reisefotografien und eine an Schönheit kaum zu überbietende Aufnahme der „Queen Elisabeth“, morgens um 3 Uhr eingefangen vom Bülker Leuchtturm aus.

Kurt Niemann zeigt im Hinterhaus de Galerie Holzskulpturen, Bilder und Videos.

Kurt Niemann zeigt im Hinterhaus de Galerie Holzskulpturen, Bilder und Videos.

Kurt Niemann lebt derweil seine Kreativität auf vielerlei Weise aus. Meditative Kraft entfalten seine Fotos und Videos von Wasser, das sich mit Farbstoffen oder auch ganz normaler Milch mischt. Je nach Drehung und Impuls entstehen immer wieder neue Formationen, die letztlich doch nach einer Struktur streben. „Das ist das Faszinierende daran“, meint der Maschinenbautechniker, der mit Kettensäge und Schleifmaschine in seinem Garten auch Holzskulpturen fertigt.

Immer wieder verfremdet er dabei die Figuren mit Farbe und geometrischen Elementen, weil sie ihm sonst einfach zu glatt und harmonisch erscheinen würden. „Ich muss abstrahieren können“, sagt der Mann, der wie gesagt eigentlich gar kein Künstler sein will.

Die Ausstellung „Bestimmtes Unbestimmt“ in der Galerie K34, Medusastraße 14, wird am Sonnabend, 3. März, um 19 Uhr mit Live-Blues eröffnet. Danach ist sie bis zum 5. April mittwochs von 15.30 bis 17.30 Uhr und donnerstags von 20 bis 0 Uhr zu sehen.
Text und Fotos: Martin Geist

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