Geldspritzen für die Kreativwirtschaft – Anträge ab sofort möglich

Verein kann auch einzelne Unternehmen aus der Branche fördern

Gaarden. Einen besonderen Hebel zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft gibt es neuerdings für den Stadtteil Gaarden. Der dort ansässige Rat für Kultur- und Kreativwirtschaft erhält auf Beschluss der Ratsversammlung zunächst bis 2021 jährlich 50000 Euro, um diesen Wirtschaftszweig gezielt zu unterstützen. Ungefähr die Hälfte der Summe soll unmittelbar an entsprechend tätige Betriebe oder Einzelpersonen ausgeschüttet werden.

Der Begriff Kreativwirtschaft umfasst Bereiche wie Architektur, Musik, Werbung, IT und das weite Feld der Medien. Künstler, die beispielsweise ein Atelier finanzieren müssen, werden diesem Feld ebenfalls zugerechnet. Sie alle will der Rat für Kultur- und Kreativwirtschaft besser miteinander vernetzen, auch anhand von Beratung etwa zu Steuer- oder Versicherungsfragen.

Einzelne Unternehmen können darüber hinaus mit bis zu 6000 Euro gefördert werden. Überwiegend Startups kommen dabei für einen Mietzuschuss von bis zu 50 Prozent in den ersten sechs Monaten und womöglich weiteren 40 Prozent für eine zusätzliches halbes Jahr in Frage. Unterstützt werden außerdem Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit oder Reisekosten zum Beispiel für den Besuch von Symposien oder Tagungen. Auch wer in Fortbildung, Weiterbildung oder Workshops investiert, kann Unterstützung vom Kultur- und Kreativrat erhalten. Zudem hält sich der Verein die Möglichkeit offen, in besonderen Notlagen zu helfen. Gedacht ist dabei an Schäden, die nach Bränden oder Einbrüchen entstehen.

Der vorläufige Text für die Förderrichtlinen kann hier eingesehen werden. Anträge können ab sofort formlos gestellt werden unter Kultur.kreativrat@gmail.com

Sollte es damit gut gehen, kann das bewilligte Geld auch im kommenden Jahr ausgegeben werden.

 

Text: Martin Geist

Muthesius-Studentinen legten im Februar auf dem Alfons-Jonas-Platz Teppiche auf Parkplätzen aus. Auch so kann Cultural Planning aussehen.

Bewerbungen für Pilotprojekt zum Cultural Planning sind noch bis zum 21. Juli möglich

Kreative Köpfe für Gaarden gesucht

Bewerbungen für Pilotprojekt zum Cultural Planning sind noch bis zum 21. Juli möglich

Gaarden. Die eigene Kreativität in den Dienst des Mitmachens zu stellen. Darum geht es beim Cultural Planning, das auf künstlerischen Pfaden eine breitere Partizipation erreichen will. Für ein Pilotprojekt in Gaarden werden noch Kreative gesucht.

Wenn ein Platz oder eine Straße neu gestaltet werden soll oder wenn es um den Bau von Radwegen geht, bietet sich nach Erfahrung von Lea Lükemeier aus dem Büro Soziale Stadt meist dasselbe Bild: „Es kommen die, die immer da sind.“ Wer aber nicht fit in der deutschen Sprache ist, sich wenig für die Ortspolitik interessiert oder sozial eher am Rand steht, bleibt in Sachen Mitsprache außen vor.

Anders werden könnte das mithilfe von künstlerischen Interventionen, wie sie Studentinnen der Muthesius-Kunsthochschule im vergangenen Februar auf dem Alfons-Jonas-Platz in Gaarden erprobten. Immer wenn auf dem vielgenutzten Parkplatz eine Lücke frei wurde, legten sie darauf einen Teppich aus. Und kamen mit motorisierten ebenso wie mit nichtmotorisierten Gaardenern darüber ins Gespräch, wie es eigentlich mit der Nutzung des öffentlichen Raums aussieht und ob Autos wirklich überall herumstehen sollen.

Nach diesem Muster sollen Kreative jetzt im Stadtteil Prozesse in Gang bringen. Das kann mit Musik, Malerei, Bildhauerei, mit Raumstrategien und auf vielerlei andere Weise geschehen, erläutert Lea Lükemeier. Auch das Thema ist völlig frei, sollte aber natürlich etwas mit den Bedürfnissen im Stadtteil zu tun haben. Weniger Müll, mehr Platz für die Kulturwirtschaft, vielleicht auch eine bessere Nahversorgung in bestimmten Bereichen, das könnte beispielsweise zur Sprache kommen.

Vom Mapping, dem Sammeln von Eindrücken, über die Entwicklung von Visionen und dann eines konkreten Projekts sowie schließlich bis zu dessen Realisierung ist das Verfahren in vier Phasen eingeteilt. Knapp 10000 Euro für Honorar- und Materialkosten stehen für jede Phase bereit, verteilt wird dieses Geld voraussichtlich auf zwei bis drei Projekte.

„Wir wollen noch diesen Sommer anfangen“, kündigt Lea Lükemeier an. Bewerben können sich Kreative noch bis zum 21. Juli. Sie sollten dazu grobe Ideen einreichen, aber auch eine Kostenschätzung. Bis zum 11. August sollen dann die zwei Teilprojekte ausgewählt werden, zwischen September 2019 und Herbst 2020 könnte es danach in die Realisierung gehen.

Weitere Auskünfte und die komplette Ausschreibung bei Lea Lükemeier, Telefon 97 99 53 43 oder unter kieler-ostufer.de
Von Martin Geist

Wer braucht Ateliers?

Wer braucht Ateliers?

Kunst braucht Räume. Und die werden in Kiel knapp. Bezahlbare Ateliers sind im ganzen Stadtgebiet heiß begehrt, zumal an diversen Stellen Subventionen auslaufen beziehungsweise drastisch zurückgefahren werden. Nun rückt wieder Gaarden in den Mittelpunkt. Wie der Kultur- und Kreativrat schon immer betont, stellt dieser Stadtteil von seiner ganzen Struktur her ohnehin das vielleicht wichtigste Biotop für Kunstschaffende in ganz Kiel dar.

Es braucht keine geleckte Umgebung und auch kein Umfeld, in dem alle so ticken wie man es selbst tut. Gern darf es dagegen ein bisschen provisorisch, ein bisschen rustikal und jedenfalls finanzierbar sein. Gaarden bietet genau das und dazu ein Klima der Vielfalt, der Widersprüche, der Reibung, also ein Milieu, das der Humus jeder Kreativität ist.

Überdeckelt werden diese Vorzüge jedoch immer wieder durch Sonderprogramme, die für Ateliers auf dem Westufer üppige Zuwendungen bereithalten. Jetzt, wo dieser Geldsegen nachlässt, ändert sich die Betrachtungsweise wieder. Gaarden wird interessant – mithin bereits so interessant, dass zumindest die bekannten Zentren in der Werftbahnstraße 8 und ebenso in der Kaiserstraße 4 mangels freier Kapazitäten immer wieder Interessenten abweisen müssen. Nicht eben einfacher wird die Lage angesichts einer enormen Konkurrenz um Flächen. Kindergärten, Schulen, Wohnungen, Gewerberäume, alles ist knapp – und alles balgt sich um die wenigen Räume, in denen überhaupt noch etwas gehen könnte.

Allerhand geht derzeit wegen erklecklicher Steuereinnahmen bei der Stadt Kiel. Davon soll in Gaarden auch die Kultur- und Kreativwirtschaft profitieren. Gleich zwei gut gefüllte Töpfe stehen in diesem Bereich für 2019 bereit. Der Kultur- und Kreativrat plädiert dafür, diese Mittel nachhaltig einzusetzen statt kurzfristige Strohfeuer zu entfachen. Denkbar wäre es zum Beispiel, ein Gebäude für Ateliers umzugestalten. Und das mit einem Finanzierungskonzept, das den darin arbeitenden Kreativen eine dauerhafte Perspektive gibt. Verschiedene Ideen und Modelle müssten dazu in einem Projekt verschmelzen, doch jenseits der Realität wäre das nicht.

Voraussetzung ist aber erst einmal eine Bedarfsermittlung. Wer braucht für welchen Zweck wieviel Platz? Kommt neben Einzelnutzung auch eine gemeinschaftliche Nutzung in Frage? Das wollen wir gern wissen von den Kreativen, die schon in Gaarden sind oder sich dort niederlassen wollen.

Meldet Euch unter info@kulturratgaarden.de!