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Manchmal nass und immer Spaß

Katzheider Kultursommer neigt sich dem Ende entgegen – Kino und Grillen zum Abschluss

Heftige Regengüsse waren treue Begleiter des Katzheider Kultursommers, der nun nach gut zwei Wochen auf die Zielgerade einbiegt. Schäden richtete das Wetter allerdings kaum an, und auch sonst ist die emotionale Wetterlage bei der Kreativaktion überwiegend sonnig.

„Es macht total Spaß“, grinst Beate Ebert, die das aus dem Fördertopf „Kiel gemeinsam gestalten“ finanzierte Projekt zusammen mit ihrem Künstler-Kollegen Detlef Schlagheck leitet. Täglich kommen nach ihren Angaben bis zu 20 kleine und manchmal auch größere Gäste, um sich auf dem Rasen am Rand des Parkplatzes von Katzheide kreativ zu betätigen. Das geht auf ganz unterschiedliche Weise. Wer es ruhiger mag, malt Bilder oder bedruckt Textilien, wer auf rustikalere Betätigung steht, baut zusammen mit Gleichgesinnten ein Haus oder eine Höhle. Sogar ein kleiner Tresen ist entstanden, seit der Kultursommer am 10. August begonnen hat. In Betrieb ist der aber nur, wenn Mittwochabends Freiluftkino auf der selbstverständlich ebenfalls selbstgebastelten Leinwand flimmert.

Etliche Kinder fanden das Angebot sogar so schick, dass sie jeden Tag kamen. Emma und Ida zum Beispiel, die eigentlich in Norwegen wohnen und einen Teil ihrer letzten Ferien vor der Einschulung bei den Großeltern in Gaarden verbrachten. Ein robustes Häuschen bauten sich die Zwillingsschwestern, Emma hatte danach immer noch nicht genug und produzierte Tisch und Stuhl dazu.
So manche und mancher kam dabei zunächst aus durchaus schnöden Motiven. „Mir war langweilig“, gesteht die elfjährige Victoria und betont zugleich, dass dies dank des Kultursommers nun gar nicht mehr der Fall ist. Hervorgetan hat sich Victoria vor allem als talentierte und phantasievolle Malerin.

Auf die Idee zu der Aktion gekommen ist der Kultur- und Kreativrat Gaarden, weil in der Bürgerbeteiligung zur Zukunft von Katzheide immer wieder mehr Angebote im Bereich Freizeit und Kreativität gewünscht wurden. Wie vorgesehen direkt auf dem Gelände des Freibads durfte der Kultursommer aber nicht ausgetragen werden, weil die Verantwortlichen der Kieler Bäder GmbH organisatorische Probleme sahen und auch Sicherheitsbedenken hegten.
Letzteres war wohl eher ungerechtfertigt. Obwohl der Alternativstandort am Eingang zum Sportpark nachts völlig ungesichert ist, gab es bisher „nicht einen Fall von Vandalismus“, freut sich Detlef Schlagheck.

Noch am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche darf bei Katzheide jeweils zwischen 15 und 18 Uhr gewerkelt werden. Zwei Highlights gibt es dabei noch. Heute Abend um 22 Uhr läuft im Kino der auch für Erwachsene geeignete Kinderfilm „Flussfahrt mit Huhn“, am Donnerstag wird zum Abschluss gemeinsam gegrillt.

Akam Khezri, der aus dem Iran stammt, beteiligt sich mit erkennbarem Talent am Katzheider Kultursommer.

Akam Khezri, der aus dem Iran stammt, beteiligt sich mit erkennbarem Talent am Katzheider Kultursommer.

Text und Fotos von Martin Geist

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Ganz so müßiggängerisch wird es von Montag an für Beate Ebert und Detlef Schlagheck nicht hergehen. Das Künstler-Duo führt – wenn auch dezent – Regie beim Katzheider Kultursommer.

Katzheider Kultursommer ist gestartet

Mehr Aktionen in Katzheide: Dieser Wunsch einte vergangenes Jahr im Beteiligungsverfahren zur Zukunft des Sommerbades alle Altersgruppen. Genau daran knüpft der Katzheider Kultursommer an, der am Montag gestartet ist.

Finanziert über das Programm „Kiel gemeinsam gestalten“ und angeregt vom Kultur- und Kreativrat Gaarden hätte das Projekt eigentlich auf dem Terrain des Freibades vonstatten gehen sollen. Die Kieler Bädergesellschaft jedoch sah organisatorische Probleme und hegte teils auch Sicherheitsbedenken, sodass es jetzt auf dem Rasenstück zwischen Parkplatz und Sportpark kreativ zur Sache geht. „Damit können wir aber gut leben“, betont Beate Ebert, die das Programm gemeinsam mit ihrem Künstlerkollegen Detlef Schlagheck gestaltet.

Bis zum 10. August soll auf der Grünfläche ein wie auch immer geartetes Bauwerk aus Holz entstehen. „Es wird so etwas wie Wände und vielleicht auch einen Unterstand geben“, sagt Schlagheck, der den Akteuren so gut wie nichts vorgeben, sondern ihren eigenen Ideen Freiraum gewähren will. Zu erwarten ist jedenfalls, dass die Wände nicht kahl bleiben, sondern im Lauf der Zeit zum Gerüst einer kleinen Freiluft-Galerie werden. Malen mit Textilien, Zeichnen, Gestalten mit Pappmaché, Drucken und manches mehr ist unter Anleitung von Beate Ebert möglich.

Über den in der Kaiserstraße 4 ansässigen Verein Kulturwerft, der auch dieses Sommerprojekt trägt, arbeitet die Künstlerin schon jetzt kreativ mit Kindern aus Gaarden und ist sehr beeindruckt davon, wie gut das funktioniert. Vor Katzheide allerdings sind nicht nur Kinder willkommen, sondern ebenso Erwachsene.

Vornehmlich an die richten sich die Donnerstagabende. Dann geht es um 22 Uhr los, und sobald es dunkel genug ist, flimmern Freiluft-Filme über die Leinwand. Zur Premiere läuft am 20. Juli „Der Name der Rose“ von Jean-Jaques Annaud. Sitzgelegenheiten und auch Getränke sollten sich die Besucher des Katzheider Kultursommers selber mitbringen, der Eintritt ist frei.

Ebenfalls entstehen soll im Kultursommer ein wie auch immer geartetes Vehikel. Ein Ding mit vier Rädern, das einerseits bereits entstandene Werke durch den Stadtteil karrt und dadurch andererseits zugleich mit einer Promotion-Tour Werbung für das kostenlose Angebot machen soll.

Präsenz zeigt das Künstler-Duo bei jedem Wetter. „Außer bei Dauerregen“, wie Beate Ebert einschränkt. Dass dabei die kreativen Sachen von Wind und Regen in Mitleidenschaft gezogen werden können, betrachten die Verantwortlichen nicht als Makel, sondern als Teil des mit Vergänglichkeit kalkulierenden Konzeptes.

Kultursommer auf dem Parkplatz bei Katzheide ist bis zum 12. August immer montags bis donnerstags von 15 bis 18 Uhr sowie zusätzlich donnerstags von 22 Uhr an mit Open-Air-Kino. Essen und Getränke sollten die Teilnehmer grundsätzlich selbst mitbringen.

Text und Foto: Martin Geist

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Weltmusik mit der Safar-Band eröffnete das Kulturgespräch im Medusa.

In die Gaardener Seele investieren

Kultur- und Kreativrat diskutierte mit der SPD über die Potenziale und Bedürfnisse des Stadtteil

Gaarden ist ein Arbeiterstadtteil. Oder war es zumindest. Gaarden ist aber auch ein Kreativstadtteil. Oder könnte es zumindest werden.

Was vorhanden ist, was noch werden könnte und was dazu nötig ist: Darum drehte sich am 5. April im Medusa ein Gespräch, zu dem der Kultur- und Kreativrat, der SPD-Ortsverein Gaarden und das Kulturforum der Kieler SPD eingeladen hatten. Am Ende zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kultur- und Kreativrats ein durchaus hoffnungsfrohes Fazit: Womöglich könnten nach ihrem Eindruck die an diesem Abend geäußerten Worte nicht vergeblich gewesen sein.

Schön ist schon mal, dass sich die SPD überhaupt fürs kreative Gaarden interessiert. Andere Parteien tun das entweder nicht oder sie verbergen es geschickt. Sogar die gern die kulturelle Vielfalt preisenden Grünen scheinen lieber auf vergleichsweise monokulturell daherkommende Sozio-Biotope im Anscharpark oder in der alten Mu zu setzen.

Der Kulturrat wird gehört. Gert Haack vom Kulturforum der Kieler SPD sprach mit Viktoria Ladyshenski, Reyhan Kuyumcu, Germaine Adelt, Christian Leonhardt und Dirk Hoffmeister.

Der Kulturrat wird gehört. Gert Haack vom Kulturforum der Kieler SPD sprach mit Viktoria Ladyshenski, Reyhan Kuyumcu, Germaine Adelt, Christian Leonhardt und Dirk Hoffmeister.

Wacker versucht indes der Kultur- und Kreativrat seit dem Spätsommer 2015, die Fahne von Gaarden hochzuhalten. Hineingeraten in dieses Gremium sei sie zufällig, erzählte Gründungsmitglied Reyhan Kuyumcu von der Türkischen Gemeinde. Inzwischen, so betonte sie, „bin ich total froh, dass ich dabei bin“. Und genauso sieht es Viktoria Ladyshenski von der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region: „Früher haben wir mehr oder weniger allein gekämpft, heute trägt jeder Einzelne dazu bei, dass alle stärker werden. Das könnte ein Beispiel für die ganze Stadt sein.“

Immer wieder kam in der folgenden Diskussion – der ein Stück wunderbare Weltmusik der aus geflüchteten und in Gaarden heimisch gewordenen Musikern zusammengesetzten Safar-Band vorausging – die Ermunterung zu neuem Denken in Amtsstuben und Parlamenten auf. Um die Szenen und Bewegungen in Gaarden zu stützen, sei oftmals nur relativ wenig Geld nötig, dafür aber Flexibilität, meinte Dirk Hoffmeister von der K34. Sein Vorschlag: Fördermittel den Bedürfnissen vor Ort anpassen und sie so zu verwalten, „dass nicht für fünf Anträge gleich eine neue Stelle im Rathaus nötig ist“.

Detlef Schlagheck, Kurator der Schlecker-Galerie am Vinetaplatz, hieb in dieselbe Kerbe: „Nutzen Sie die Kompetenzen der Ehrenamtlichen, die Experten für diesen Stadtteil sind!“ Zugleich verwies er aber darauf, dass es kein wirkliches Politikmodell sein könne, alles aufs Ehrenamt zu setzen und die entsprechend Aktiven sehenden Auges in prekären Verhältnissen zu belassen.

Landtagsabgeordneter Bernd Heineman (SPD) sicherte der Gaardener Kultur- und Kreativszene Unterstützung zu

Landtagsabgeordneter Bernd Heineman (SPD) sicherte der Gaardener Kultur- und Kreativszene Unterstützung zu

Worauf es in Gaarden grundsätzlich ankommt, das fasste Dirk Hoffmeister zusammen. Zu tun hat man es demnach mit vielen Familien fern fast aller Kultur, aber auch mit Künstlern, die von der Hand in den Mund leben. Hinzu kommen zugewanderte Künstler, denen der hiesige Kultur- und Kreativbetrieb besondere Herausforderungen abverlangt. Besonders hob Hoffmeister die Bedeutung der Soziokultur hervor. Gerade die kleinen Initiativen entfalten nach seiner Überzeugung höchst befruchtende Wirkung und können oftmals schon mit einer „Mikroförderung“ gestützt werden.

Andererseits wies Detlef Schlagheck darauf hin, dass Förderung auch unerwünschte Nebenwirkungen haben kann. Ausdrücklich lobte er zwar die „wirklich gute und freundschaftliche Zusammenarbeit“ mit der Muthesius-Kunsthochschule, die Folgen der vom Land auf den Weg gebrachten Vergabe von Atelier-Stipendien an deren Absolventen beschrieb er aber kritisch. Gefördert werden ausschließlich Ateliers im Anscharpark, viele Künstler, die in Gaarden ansässig sind, werden laut Schlagheck damit zum Nachteil des Stadtteils der lokalen Szene entzogen. „Unterstützen wir doch die Leute da, wo sie schon sind“, schlug der Kurator vor.

So ganz vergeblich könnten diese Worte wie gesagt vielleicht nicht gewesen sein. Gert Haack vom Kultuforum der SPD bekannte sich zur Unterstützung der „Kultur von unten“. Und der Ostufer-Landtagsabgeordnete Bernd Heinemann betonte: „Es lohnt sich, in Seelen zu investieren, wie Gaarden eine hat“. Konkret schlug er vor, den Wirtschaftsminister zum Dialog darüber zu bitten, wie die kreativen Potenziale des Stadtteils mit Mitteln der Wirtschaftsförderung gestärkt werden können.

Von Martin Geist

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